Einleitung

 

 

Sankt Andreasberg mit seiner seltenen Mineralisation hat schon immer die Aufmerksamkeit der Fachwelt aber auch des mineralogisch interessierten Publikums erlangt. Hier sind bis heute weit über 200 Mineralien (Primär- und Sekundärbildungen) bekannt und es werden immer noch weitere entdeckt. Obwohl der Bergbau 1910 erloschen ist, sieht man von Versuchsarbeiten der Ilseder Hütte von 1921 bis 1929 ab, ist Sankt Andreasberg immer noch für eine Überraschung bereit.

Es gibt zahlreiche Veröffentlichungen über dieses kleine Bergbaurevier im Harz und Mineralien wie Pyrargyrit, Dyskrasit und Samsonit von dort sind weltweit bekannt.

Dabei ist der Ausdruck Silbererzrevier nicht ganz passend, denn es wurde in den 400 Jahren Bergbau (1487-1910) nur ca. 320 Tonnen reines Silber gewonnen, bescheiden wenn man andere Bergbaugebiete Deutschlands betrachtet.

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                        Koch Riss - Sankt Andreasberg 1606

„Wie rege der Betrieb war, geht auch daraus hervor, dass schon vor dem Jahre 1537 die meisten Andreasberger Stollen nach allen Seiten hin in das Gebirge getrieben sind, um die Gruben zu Sumpfe zu halten: nach der von Andreas Koch im Jahre 1606 gezeichneten und von Daniel Lindemeier gestochenen Karte ist der S. Johannisstollen 1529, der Tiefe Fürstenstollen 1533, der Wahre Leichnamsstollen 1534, der S. Jakobsstollen in demselben Jahre und der Spötterstollen 1536 angefangen.“ (GÜNTHER S.212, Geschichte der Bergstadt)

Der Bergbau in Sankt Andreasberg fing damit an, „als wohl im Jahr 1520 in einer Klippe am Beerberge ein handbreiter Gang mit Glanzerz und reichhaltigen Nestern Rotgülden angeschlagen wurde, und die Kunde von der Erschließung dieses reichen Erzganges nach dem Erzgebirge und in andere Bergbau treibende Gegenden Deutschlands drang, die wanderlustigen Bergknappen herbeirief und die wohlhabenden Bürger der Städte ermutigte, ihre Kapitalien in den hoffnungsvollen Versuchsbau zu stecken.“

GÜNTHER (1909 und 1911) S.199-200

Der Bergbau aus der Anfangszeit aus Gebhard, Bergbau und Mineralien aus St. Andreasberg

Blumenhagen war ein deutscher Arzt und Schriftsteller. In einer Beschreibung der Andreasberger Minerale von 1847 begründet er, warum „die Ausbeute die Verschwendung hiermit ist der schwere Bergbau gemeint lohnt“:

“Hier finden sich die reichsten Silbererze in jeder Gestaltung, gediegen in Zacken und Blättern, als köstliches Rothgülden mit seinen rubinfarbenen Knospen, oder als pyramidalisches Weissgülden, ja das seltenere Haarsilber, Glaserz und Buttermilchsilber kommt vor, und mit dem edlern Bruder mischt sich der Arsenik, der sich in der oberen Section nicht sehen lässt. Doch nicht allein das gepriesene Silber füllt hier die Tiefe der Erde, sondern zu ihm gesellen sich der werthvollen und gesuchten Fossile gar manche. Analzime, Ichtyophthalme, Datholithe, rothe Kobalte, Kupfernickel, Magnetkies, gediegen Arsenik, Flusspäthe schmücken dieses Gnomenhaus mit bunten Zierrathen, und des Kenners Auge ergötzt sich an den nettgestalteten Kalkspäthen, an den stämmigen Kanonendrusen, an dem Schiller des Regenbogens spielenden Doppelspath, und an dem wundersamen Harmotom, der seine Kreuzkrystalle über die milchigweissen Drusen verstreut.“ (GEBHARD, Harzer Bergbau und Mineralien, 1988, S.150.) 

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