Reiche Troster Gang, Grube Theuerdank        

      

Streichen 85-95°, Einfallen 70-80° N, Mächtigkeit 0,2-0,6 m, Länge 400 m, Teufe von 200 m erschlossen (WILKE 1952).

  Silber-Gangstufe, Reiche Troster Gang ( Theuerdank), Gangstufe, Reiche Troster Gang, Sankt Andreasberg/Harz, Stufe etwa 36 x 22 x 25 cm

 

Die Grube Theuerdank

Eine alte Nachricht von 1601, die SUCHLAND aufbehalten hat, sagt folgendes:

„Auf dem Teuer- Dank 
„so wohl als andrem des Zuges und Ganges Zechen, 
„hat ein mildes Erz gebrochen, wie auch jetzt auf 
„Sankt Moritz, welches reich von Silber, so bald 
„dasselbe die Luft berühret, färbt siches, und da es 
„zuvor in der Grube weiß gewesen, wird es etwa 
„blau. Auf Sd. Georg habe ich Erz gesehen, so 
„in Drusen gestanden wie ein Buttermilch, das man 
„hat müssen ausschöpfen, wenn es gestund und 
„trochnete, sah es gleich einem Thon, 
„ähnlich, war doch gleichwohl an Halt sehr reich.“

 

(SUCHLAND 1601, Beschreibung des ganzen Bergwerks,! Clausthal, 1687 8. Predigt III., Seite 305- 306)

 

 

Funde von Buttermilcherz von der Halde Grube Theuerdank, gemacht in den letzten 20 Jahren

 

In den Ausbeutelisten der Gruben von St. Andreasberg wird die Grube „Alter Theuerdank“ erstmalig im Jahr 1553 erwähnt. Sie gehörte somit zu den allerersten Gruben der ersten Betriebsperiode von St. Andreasberg. Quelle: „Henning Calvör“ historische Nachricht von den Unter- und gesamten Ober-Harzischen Bergwerken. Im Laufe der Jahrhunderte wurden im Bereich um St. Andreasberg noch weitere Gruben mit dem gleichen Namen belegt, so in Sonnenberg (heutige Turmalin-Fundstelle Zinngruben ) als „Neuer Theuerdank“, sowie im Morgensternstal (Nebental des Odertales) als „Theuerdank“. Die hier auf dieser Seite beschriebenen Mineralien beziehen sich auf den „Alten Theuerdank“ am Beerberg. Dieser Bereich wird auch als auswendiges Revier bezeichnet, im Gegensatz zum inwendigen Revier, welches sich auf den unmittelbaren Ortskern bezieht.

Im Jahr 1994 ist es uns gelungen am Beerberg („Auswendiges Revier“) auf einer kleinen unscheinbaren Halde „Alter Theuerdank“, Mineralien aus der ersten Blütezeit des Bergbaues von Sankt Andreasberg wieder zu entdecken. Über die Grube „Alter Theuerdank“ war bemerkenswerterweise bis in die neunziger Jahre des 20. Jh. relativ wenig bekannt. Außer einigen Beschreibungen aus dem 17. Jh. (CALVÖR u. a.) gab es seitdem keine wesentlichen neueren Berichte über die Mineralien aus diese Grube. Nach intensiven Literatur- und Kartenstudien erfolgte 1994 eine Erstbegehung und Prospektion des Haldenmaterials. Nach der Prospektion stellte sich heraus, dass das Haldenmaterial recht höffig war und Silbererze führte. Die Halde war bis zu diesem Zeitpunkt noch völlig unberührt, auf der anscheinend auch kein Nachlesebergbau stattgefunden hatte. Nach den Mineralfunden sowie des Sichtens alter Gangkarten (Riss von KOCH 1606) konnte die Halde der Grube „Alter Theuerdank“ zugeordnet werden.

An Silbererzen wurden Pyrargyrit und Akanthit angetroffen, im Wesentlichen aber wurden der bis zu diesem Zeitpunkt eigentlich nicht mehr vorhandene Chlorargyrit in phantastischen Kristallen, sowie als absolute Rarität das sehr seltene und Sagenumwobene Buttermilcherz von St.Andreasberg gefunden. Als Gangarten kamen wenig Calcit und recht häufig mittelkörniger Quarz gemeinsam mit mitteldevonischen Tonschiefer, der teilweise metamorph  und tektonisch beansprucht wurde im Haldenmaterial vor. 

Der Calcit in dieser Fundstelle wurde durch die

deszendente Mineralisation ausgelaugt und Primärerze teilweise oder

ganz in Sekundärmineralien umgewandelt. Wahrscheinlich handelt

sich es sich hier um Calcit der Hauptphase der Mineralisation.

Es finden sich Kalkspatrelikte meist ausgelaugt und stark zerfressen

mit Quarz, der gegen die Korrosion beständig erscheint.

Außerdem finden sich Eisen- und Mangan-Oxide im Haldenmaterial,

als typische Leitmineralien der

Oxidations- und Zementations-Paragenese vorwiegend auf

Quarzmatrix.

Die Mangan-Oxide (Manganmulm) haben teilweise einen recht

hohen Silbergehalt. Sie führen winziges Partikel von Silber in Form

von moosförmig- bis lockige Einlagerungen. Der Mulm ist zu

vergleichen mit dem silberhaltigen Mulm vom Backofen (wegen seiner Form so genannt), einen flachen liegenden Trum des Jacobsglücker Ganges nahe des Claus Friedrich Schachts. BLÖMEKE (1885) beschreibt schwarzen, braunen und gelben Mulm vom Backofen und das er recht silberhaltig ist.

Diese Arten von Mulm lassen sich auch von der Halde „Alter Theuerdank“ nachweisen. Grobkristalliner Quarz der völlig Erz frei ist, stammt wohl aus der Vorphase der Mineralisation der Lagerstätte. Die primäre Gangmineralsation ist auf der Halde in Calcit? und Quarz teilweise erhalten, wobei Kristallbildungen sehr selten sind. Der primären Ausbildung des Reiche Troster Ganges ist erst unterhalb der St. Johannesstollensohle ca. 60–80 m unter Tage zu finden, wie aus alten Bergakten hervorgeht. 

Chlorargyrit findet sich am häufigsten im Quarz aber auch Calcit und Tonschiefer können diese Minerale führen. Erstaunlicherweise ist Chlorargyrit in der Ausbildung als derbes Hornerz, in wohl ausgebildeten Kristallen, sowie in Form des sogenannten Buttermilcherzes in verschiedensten Paragenesen mit anderen Mineralien, im Gegensatz zu allen anderen bisher beschriebenen Fundstellen von Sankt Andreasberg, auf dieser Halde das dominierende Sekundärsilbermineral.

Auf der Halde „Alter Theuerdank“ finden sich alle Formen von Chlorsilber, die LOMMER 1776 von den sächsischen Gruben „Abhandlung vom Hornerz als einer neuen Gattung Silbererz“ beschreibt. Von 1994 an konnten auf der Halde „Alter Theuerdank“ mehrere Primär- und Sekundärbildungen über die Jahre gefunden werden, wobei die Chlorargyrit-Paragenese aufgrund ihrer einzigartigen und perfekten Ausbildung ein Highlight dieser Grube, aber auch für die gesamte Andreasberger Mineralisation darstellt. Buttermilcherz (Chlorargyrit getrocknet mit mechanisch beigemengten Schichtsilkaten) wurde vom Beerberg schon aus der ersten Betriebsperiode in der Literatur erwähnt.

A 465_43.JPG
Buttermilcherzgeamt.jpg