Die Erzgänge

"Fast alle Gänge, die von Sankt Andreasberg aus morgenwärts (Morgengänge von Stunde 3 bis 6 (45–90°, zwischen Nordost und Ost) nach dem Wäschgrunder Thale zu streichen, arten sich in Kupfergänge und die nach Westen zu streichenden Gänge, arten in Eisensteinsgänge aus. Die edlen Gänge setzen auf gewisse Weise, alle durchs Queergestein. Auf der Grube Georg Wilhelm z. B. ist dieses 30 Lachter unter Tage sehr deutlich zu sehen. Der Gang setzet beynahe im rechten Winkel durchs Queergestein, und führet in einer Mächtigkeit von zwey Zoll, sehr reiche Erze."

(Georg Sigismund Otto Lasius, Erster Theil, Hannover 1789, S. 318.)

Gangbild aus WILKE 1952

"Auf der Grube St. Andreaskreuz, findet man 100 Lachter unter Tage, daß sich zwey Gänge beynahe im rechten Winkel einander durchkreuzen: und zwar an einem Orte, wo der merkwürdige Umstand ein tritt, daß hier die Blätter des Schiefers, ein verändertes Streichen annehmen, also ebenfalls beynahe rechtwinklich mit ihren Streichungs Linien aufeinander stoßen. Dadurch nun, streicht der eine Gang im hangenden, völlig mit dem Streichen des Schiefers paralell, und macht alle die Wendungen rechts und links mit, die der Schiefer macht. Im liegenden aber schießen die Streichungs: Linien des Schiefers, winkelrecht auf den Gang zu, und hier führet er in einer

Mächtigkeit von 1 bis 3 Zollen Weisgiltiges oder Silberfahlerz, in weißem Kalchspath. Der andere Gang aber, so winkelrecht auf diesen zu schießet und also im hangenden und liegenden mit dem Schiefer paralell streicht ist völlig taub.

Auf den Gängen mit Erzen edler Metalle, die ihrer Natur nach nicht anders als nur nesterweise edel seyn können, sind oftmals sehr reiche Erz puncte vorgefallen, und finden sich zuweilen auch noch. So wurde z. B. im Decemb. 1786. auf der Abendröthe ein Erztrumm mit rothgiltigen und Arsenical: Silber, von Lachter Mächtigkeit aufgeschossen, wovon der Centner Erz 135 Mk. fein Silber hielt. Auf dem alten tiefen St. Andreas, brachen ehemals große Klumpen gediegenen Silbers, und hatte ehemals das akademische Musäum zu Göttingen eine Stuffe davon aufzuweisen, die 1 Centner schwer und 1500 Rthlr. an Silber werth war. Auch jetzt noch sind die Gruben Samson und Catharine Neufang bey einer Tiefe von 216 Lachtern, noch reich an rothgiltigen Erzanbrüchen, und giebt letztere jetzt in jedem Quartal 8 und erstere 10 Species Rthlr. Ausbeute."

(LASIUS, 1789, S. 318-319.)

Die Erzgänge in Sankt Andreasberg sind "einfache " Gänge. Die etwa 20 Gänge des Sankt Andreasberger Reviers sitzen in mittel-und unterdevonischen Schichten auf. Durch zwei Grenzruscheln begrenzt, wobei sich Erzgänge und Ruscheln zu gruppenweise Kluftsystemen ordnen lassen, die für die variskische Tektonik des Mittelharzes charakteristisch sind.